Eine aktuelle Verbraucherumfrage in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden zeigt erhebliche Unterschiede in der Art und Weise, wie Verbraucher E-Bikes kaufen und welche Prioritäten sie bei der Auswahl eines Fahrzeugs legen. In einigen Märkten wächst der Online-Verkauf, während in anderen noch immer der physische Einzelhandel dominiert.
Das Marktforschungsunternehmen NielsenIQ (NIQ) hat kürzlich seinen neuesten GfK-E-Bike-Monitor-Bericht veröffentlicht. Basierend auf Umfragedaten aus dem Jahr 2025, darunter 2.000 Befragte in den Niederlanden und jeweils 1.000 Befragte in Deutschland, Frankreich und Belgien, zeigt der Bericht, dass sich der europäische E-Bike-Markt im Strukturwandel befindet.
1. Die europäischen E-Bike-Kaufgewohnheiten weichen voneinander ab
In Ländern mit einer besser ausgebauten Fahrradinfrastruktur werden E-Bikes zunehmend zu einer Alternative für längere Strecken. Niederländische Befragte gaben an, E-Bikes häufiger für den täglichen Pendelverkehr zu nutzen, wobei sich die Nutzung von Freizeitfahrten hin zu funktionellen Transportmitteln verlagerte.
In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Muster: Die wöchentliche Fahrstrecke der dortigen E-Bike-Nutzer ist inzwischen mit der der niederländischen Nutzer vergleichbar. Belgische Umfrageergebnisse zeigen auch, dass aktive Mobilität und der umweltbewusste Wunsch, weniger Auto zu fahren, wichtige Faktoren für den Kauf von E-Bikes sind.
Frankreich bietet ein anderes Bild. Laut NIQ-Daten ist Freizeit für französische Verbraucher nach wie vor der dominierende Faktor beim Kauf von E-Bikes. Unter den vier untersuchten Ländern sind französische Verbraucher auch die aktivsten im E-Commerce.
2. E-Commerce-Kanäle wachsen weiter
In Frankreich gaben 43 % der Befragten an, dass sie E-Bikes über Online-Kanäle gekauft hätten. Mit anderen Worten: Etwa vier von zehn E-Bikes wurden über digitale Kanäle verkauft, der höchste Anteil unter den vier Ländern.
Deutschland zeigt den gegenteiligen Trend. Im Jahr 2025 sank der Online-Anteil der deutschen E-Bike-Verkäufe auf 36 %, während 64 % der Verkäufe im stationären Handel stattfanden. NIQ weist darauf hin, dass die Online-Preise zwar oft attraktiver seien, deutsche Verbraucher aber mehr Wert auf Probefahrten, professionelle Beratung und sofortige Verfügbarkeit legten.
Die Kanalstruktur in Belgien bleibt stabil: 32 % der Verkäufe entfallen auf Online-Verkäufe und 68 % auf Offline-Geschäfte. Trotz deutlicher Preisunterschiede zwischen Online- und Offline-Kanälen bleiben physische Geschäfte der Hauptkaufkanal.
Die Niederlande sind immer noch weniger digitalisiert als benachbarte Märkte, aber ihr Online-Anteil steigt stetig. Im Jahr 2025 kauften 25 % der niederländischen Befragten E-Bikes online, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Dies wird vor allem durch den einfacheren Online-Preisvergleich und das Aufkommen erschwinglicherer Modelle unterstützt.
Es ist erwähnenswert, dass die Online-Aktiendaten von NIQ für die Niederlande von den zuvor vom niederländischen Industrieverband RAI veröffentlichten Daten abweichen. RAI-Daten zeigten, dass Online-Verkäufe 69 % der kombinierten E-Bike- und traditionellen Fahrradverkäufe ausmachten.

3. After-Sales-Service und Zusatzleistungen werden immer wichtiger
In den Niederlanden gaben 11 % der Befragten an, schon einmal einen E-Bike-Diebstahl erlebt zu haben. Daher achten Verbraucher beim Kauf besonders auf Diebstahlrisiko, Batteriereichweite und klare, transparente Garantie- und Wartungsleistungen. Dies erhöht auch die Zahlungsbereitschaft für Zusatzleistungen und erklärt das relativ stabile, aber moderate Interesse an Leasingmodellen.
In Deutschland berichteten rund 13 % der Befragten von E-Bike-Diebstählen. Deutschland weist unter den vier Ländern den höchsten Anteil an firmenmäßig geleasten E-Bikes auf, auch privates Leasing und Ratenzahlungen erfreuen sich großer Beliebtheit.
In Belgien berichteten 16 % der Verbraucher von Diebstahlerfahrungen, ein relativ hoher Wert, was den Diebstahlschutz zu einer der beliebtesten Zusatzleistungen macht. Frankreich verzeichnete mit 18 % die höchste gemeldete Diebstahlsrate, was die Sicherheit zu einem zentralen Verbraucheranliegen macht. Auch französische Verbraucher zeigten das stärkste Interesse an Leasing- und Ratenzahlungsoptionen.

Auswirkungen auf den Markt
Insgesamt zeigen die Umfrageergebnisse von NIQ, dass Verbraucherprioritäten in jedem Land unterschiedliche Marktstrukturen prägen, während einige gemeinsame Trends bestehen bleiben. Die Digitalisierung schreitet weiter voran und Verbraucher nutzen zunehmend Online-Kanäle, um nach günstigeren Produkten zu suchen.
In traditionelleren Märkten bleiben Probefahrten und Händlerkompetenz jedoch weiterhin attraktiver als Online-Plattformen. Für E-Bike-Marken bedeutet dies, dass die Produktstrategie Online-Auffindbarkeit mit starkem Offline-Service-Vertrauen kombinieren muss.